Ein Versuch gegen Libertarismus und Monopolismus

Ein Versuch gegen Libertarismus und Monopolismus

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Weitgehend unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit haben sich im kalifornischen Silicon Valley neben enormen Kapitalzusammenballungen (Apple 630 Mrd. US$, Google 440 Mrd. US$, Facebook 220 Mrd. US$) auch gefährliche Weltherrschafts- und Monopolismus-Philosophien breitgemacht, die auf regulierungs- und staatsfeindlichem Turbokapitalismus basieren, welchen es – nach Auffassung der so genannten Libertären – mit allen Mitteln vor staatlichen Einflüssen, Wettbewerb und demokratischen Entscheidungsprozessen zu schützen gilt.

Wie Thomas Schulz in seinem vielbeachteten Essay über das „Morgenland“ in Kalifornien treffend festgestellt hat, geht es bei den derzeitigen Entwicklungen in und um Silicon Valley primär nicht um neue Technologien, sondern um einen fundamentalen gesellschaftlichen Wandel, welcher unser Denken und Handeln komplett verändern wird. Besonders bedrohlich ist dabei, dass dieser Prozess von einer kleinen, aber mächtigen Personengruppe gesteuert wird, die unser Konsumverhalten bestimmt und unsere Wertehorizonte besetzt.1

Der nachfolgende Essay greift die Überlegungen von Schulz auf und bringt diese in Verbindung mit Auffassungen anderer Autoren wie z. B. Andrew Keen2 oder Yvonne Hofstetter3, nicht zuletzt um damit entsprechende Denk-Synergien und potentielle Veränderungs-Energien aufzuzeigen. Es werden mehrere Ansätze zum Umgang mit dem Thema Turbokapitalismus vorgestellt, die den geneigten Leser zum eigenen Nachdenken und Zornigwerden inspirieren möchten.

A.   Libertarismus 2.0

Die Anfänge des neuen Silicon-Valley-Libertarismus gehen auf die wilden sechziger Jahre zurück und resultieren auf der damals nicht zuletzt auch von der Hippie-Kultur gepflegten Ablehnung jeglicher Art von Hierarchie und Autorität.

Die antistaatliche Gegenkultur, von der z. B. auch Steve Jobs geprägt wurde, lässt sich auf das Denken von Ayn Rand4 oder Friedrich Hayek5 ebenso zurückführen, wie auch auf den klassischen Liberalismus6, der sich auf individuelle Freiheitsrechte beruft und staatlichen Eingriff auf ein Minimum beschränkt sehen möchte. Kapitalistische Libertäre fordern den Vorrang der Rechte des Individuums vor den Ansprüchen der Gemeinschaft und lehnen Demokratie als Herrschaft der Mehrheit über die Minderheit ab.7

B.   Monopolismus

Während auf dem alten Kontinent noch wehrhaft für die Einhaltung von Wettbewerbsrecht und gegen jede Art von Marktbeherrschung einzelner Wirtschaftssubjekte gestritten wird, plädieren die neuen Libertaristen aus Silicon Valley ganz offen für eine monopolistische Beherrschung der Märkte. Einer der wichtigen Vertreter des libertären Gedankenguts und zugleich finanzstarker Silicon-Valley-Investor, der sein Kapital nicht zuletzt durch PayPal und Facebook verdient hat, ist Peter Thiel. Thiel vertritt die Auffassung, dass Monopole gut und erstrebenswert seien.8 „Kreative Monopole ermöglichen neue Produkte, von denen alle profitieren. Wettbewerb bedeutet keinen Profit, für niemanden.“ Thiel weiß natürlich um den schlechten Ruf der Monopole, führt dies jedoch nicht auf systemisch bedingte Gründe, sondern nur darauf zurück, dass Wettbewerb eine veraltete Ideologie darstelle. Sein wichtigster Rat an junge Unternehmensgründer ist deshalb, sich einen entsprechenden Markt auszusuchen, der monopolistisch dominiert werden kann, und eine solche Monopolstellung so lange wie möglich zu halten.9 Dank nahezu unvorstellbarer Machtzusammenballungen ist es den großen Unternehmen wie Google, Facebook etc. bereits heute möglich, solche Vorstellungen ganz real umzusetzen. Möglich macht dies das Zusammenwirken zweier verschiedener Entwicklungen, die gemeinsam eine unglaubliche wirtschaftliche Durchschlagskraft entfalten konnten: Globalisierung und Digitalisierung.10

Beispiel Amazon

Amazon wurde 1994 in den USA gegründet und ist seit 1998 als E-Commerce-Plattform mit einer breiten Produktpalette online. Neben Büchern, Elektrogeräten und Bekleidung verkauft das Online-Versandhaus bekanntlich auch Lebensmittel, Drogerie- und Baumarktartikel sowie mittlerweile fast alle sonstigen Konsumgüter. Amazon ist der mit Abstand größte E-Book-Anbieter, vertreibt mit Amazon Kindle einen eigenen E-Book-Reader und ist selbst verlegerisch tätig. Der Nettoumsatz belief sich 2013 weltweit auf über 74 Milliarden US-Dollar, der Markenwert des Unternehmens liegt bei ca. 62 Milliarden US-Dollar11. Amazon ist auch in Deutschland sehr beliebt und nahm 2013 7,7 Milliarden Euro allein hierzulande ein. Dieser Umsatz macht fast ein Viertel des gesamten deutschen Online-Handel-Umsatzes aus, bei dem Vertrieb von E-Books ist Amazon in Deutschland unangefochtener Marktführer.12 Amazon kontrolliert 90 Prozent des Online-Buchhandels in Deutschland. Von den insgesamt 2,75 Milliarden Euro 2014 online umgesetzten Büchern sollen laut einer Schätzung des Bundesverbands der deutschen Versandbuchhändler allein auf Amazon ca. 2,2 Milliarden Euro entfallen.13 Amazon dominiert damit den Markt und stellt ein gefährliches Monopol, zumindest aber ein so genanntes „Quasi-Monopol“ dar.

Beispiel Google

Ebenso wie Amazon ist auch Google Monopolist. Die Suchmaschine verarbeitet ca. 40.000 Anfragen pro Sekunde, was 3,5 Milliarden Suchläufen pro Tag und 1,2 Billionen Suchläufen pro Jahr entspricht. Google kontrolliert weltweit 65 Prozent aller Suchanfragen, und in einigen Märkten wie Deutschland, Italien oder Spanien liegt der Anteil sogar bei über 90 Prozent.14

Die Macht von Google wächst mit jeder einzelnen Suchanfrage, weil aus der Symbiose von menschlicher und maschineller Intelligenz der jeweils verwendete PageRank-Algorithmus immer „klüger“ und umfassender wird.15 Alles, was wir auf unseren digitalen Wegen an Spuren hinterlassen, führt zu reproduzierbaren und auswertbaren digitalen Profilen jedes einzelnen Nutzers. Diese Profile entstehen anhand unserer Such-, Einkaufs- und Sehgewohnheiten im Web, sie entstehen durch die Verwendung unserer Google-Mail-Accounts und sie entstehen zum Beispiel auch durch die „versehentliche“ Erfassung unserer privaten WLAN-Daten durch die Google-StreetView-Autos. Wer darüber hinaus zusätzlich auch noch die intelligenten Heizungsthermostate von Google Nest Labs nutzt, „überlässt dem Technologiegiganten genug Datenmaterial, den digitalen Zwilling seines Nutzers problemlos zusammen zu puzzlen und daraus den virtuellen Zombie neu zu berechnen“, wie Yvonne Hofstetter, selbst Expertin für künstliche Intelligenz und Big Data sowie Autorin des vielbeachteten Buches „Sie wissen alles“, treffend anmerkt.16

Dieser Umstand brachte bereits 2007 Google-CEO Eric Schmidt gegenüber der Financial Times zu der Aussage, Google wolle mehr über uns wissen als wir selbst, um uns sagen zu können, wo wir arbeiten und was wir in unserer Freizeit tun sollen.17 „Wir wissen, wo du bist. Wir wissen, wo du warst“, konkretisiert Schmidt im September 2010 in einem Interview mit Atlantic-Herausgeber James Bennet. „Und wir können mehr oder weniger wissen, was du gerade denkst.“18

In einem offenen Brief an Eric Schmidt vom 16.04.2014 unter dem Titel „Warum wir Google fürchten“, bringt Springer-Vorstand Mathias Döpfner das Problem auf den Punkt: „Google ist das Paradebeispiel eines marktbeherrschenden Unternehmens. Google definiert mit siebzig Prozent Weltmarktanteil die Infrastruktur im Internet. … Der Markt gehört nur einem. Der Anteil Googles am Online-Werbemarkt in Deutschland steigt von Jahr zu Jahr und liegt derzeit zirka bei sechzig Prozent. … Im Vergleich ist Google nicht nur marktbeherrschend, sondern sozusagen super-marktbeherrschend.“19

Mit mehr als 70 % Marktanteil ist Google auch mit seinem Betriebssystem Android bei Smartphones und Mobilgeräten marktbeherrschend und damit auch auf diesem Gebiet ein „Quasi-Monopolist“. Google ist deshalb eine Gefahr für den Wettbewerb, weil es diesen ganz einfach ausschließt. Diese Marktpositionierung widerspricht allen deutschen und europäischen Rechtauffassungen bezüglich legaler wirtschaftlicher Machtentfaltung einzelner Wirtschaftssubjekte.

Döpfner schreibt in seinem offenen Brief den denkwürdigen Satz: „Wir haben Angst vor Google. Ich muss das einmal so klar und ehrlich sagen, denn es traut sich kaum einer meiner Kollegen, dies öffentlich zu tun. Und als Größter unter den Kleinen müssen wir vielleicht auch in dieser Debatte als Erste Klartext reden. Sie haben es selbst in Ihrem Buch geschrieben: ‚Wir sind überzeugt, dass Portale wie Google, Facebook, Amazon und Apple weitaus mächtiger sind, als die meisten Menschen ahnen. Ihre Macht beruht auf der Fähigkeit, exponentiell zu wachsen. Mit Ausnahmen von biologischen Viren gibt es nichts, was sich mit derartiger Geschwindigkeit, Effizienz und Aggressivität ausbreitet wie diese Technologieplattformen, und dies verleiht auch ihren Machern, Eigentümern und Nutzern neue Macht.“20

Nicht nur Döpfner sollte Angst haben, Angst vor dem Verlust der Autonomie, Angst vor dem Verlust der Menschenwürde, die ein Ergebnis genau dieses „Ausgespäht-Werdens“ darstellt und für die demokratische Gesellschaften viele Jahre gestritten haben. Wir alle sollten Angst haben vor dem Angriff auf unsere Rechte durch den modernen Informationskapitalismus, vor dem auch Hofstetter21 eindrücklich warnt, weil dieser permanent und ungefragt unvorstellbare Datenmassen über Konsum- und Lebensgewohnheiten der Menschen abgreift und entsprechend verwertet.

Nach Hofstetter besteht durch die Auswirkungen der digitalen Revolution eine sehr ernste Bedrohung für alle demokratischen Gesellschaften und die Menschenwürde jedes einzelnen Bürgers. Diese Gefahr geht vor allem von intelligenten Algorithmen aus, die überall und immer unser Verhalten analysieren, unsere Handlungsweisen prognostizieren und uns ständig neu berechnen. Dies erfolgt durch eine immer bessere Verhaltensvorhersage und Verhaltenskontrolle mit dem Ziel der Maximierung von Gewinnen durch immer weiter optimierte Konsumsteuerung jedes einzelnen Bürgers. Das hierbei entstehende digitale Ebenbild unseres Selbst könnte allerdings dazu führen, dass ein transparenter Bürger der Zukunft keine Versicherung, keinen Kredit und keine Anstellung mehr erhalten wird, weil das virtuelle Gegenstück unseres Selbst den jeweiligen Ansprüchen zum Beispiel an Gesundheits-, Verkehrs- und Konsumverhalten nicht genügt.22  Wie Viren verbreiten sich diese Algorithmen in selbstlernender Haustechnik, vernetzten Autos oder elektronischen Armbändern, über dieselben und zahllose weitere Sensoren gefüttert, die wir freiwillig überall um uns herum installieren und sogar am eigenen Körper mit uns herumtragen.23

Beispiel Facebook

Marc Zuckerberg hat mit der Social-Media-Plattform Facebook das größte soziale Netzwerk der Mediengeschichte geschaffen, dessen 1,3 Milliarden Nutzer im Sommer 2014 pro Minute 2.460.000 Kommentare zu den Beiträgen anderer Nutzer produzierten.

Mit 2,5 Milliarden Dollar Werbeeinnahmen pro Jahr und einem Gewinn von 642 Millionen Dollar zum Beispiel im ersten Quartal 2014 ist Facebook eindeutiger Monopolist für diese Kommunikationsform im Web. Mit der Verwertung der privaten Daten unserer Facebook-Kommunikation mit unseren Freunden und Verwandten erreichte Facebook im Juli 2014 einen Börsenwert von 190 Milliarden Dollar und war damit wertvoller als Coca-Cola, Disney oder AT&T.24

Ähnlich wie bei der Selbstoptimierung der Google-Algorithmen setzt auch Zuckerberg auf den Selbstverstärkungseffekt des sozialen Netzwerks. Je mehr Menschen bei Facebook mitmachen, umso wertvoller soll die Plattform für alle werden. Hier gilt das von ihm erfundene Zuckerberg’sche Gesetz, nach dem in Abwandlung des Moore’schen Gesetzes unsere persönlichen Daten im Netz mit jedem Jahr exponentiell anwachsen. In zehn Jahren „werden tausendmal so viele Daten über Facebook-Nutzer durch das Netz fließen“, sagte Zuckerberg und ergänzt: „Die Menschen werden Geräte dabei haben, die das, was ihnen widerfährt, automatisch teilen. Das ist absehbar.“25 Eine gefährliche Vision, die mehr und mehr Wirklichkeit wird, sowohl durch die Vorherrschaft von Facebook im mobilen Internet als auch durch die immer weiter wachsende Verbreitung von Smartphones als potentielle Überwachungsgeräte, die immer wissen, wo wir uns gerade aufhalten und was wir tun.26

Wie der bekannte US-Autor und Kulturkritiker Jaron Lanier feststellt, geht ein enormer Einfluss von Wirtschaftsgiganten wie Facebook aus, deren Macht ständig zunimmt und kaum noch kontrolliert werden kann. Dabei kann man seiner Einschätzung nach noch froh sein, dass dort derzeit noch relativ gutmeinende Personen das Ruder in der Hand haben. „Das Silicon Valley hat die freundlichste und gutmütigste Diktatoren-Klasse in der Geschichte der Menschheit. Das hilft uns aber nur wenig. Facebook wird von 1,4 Milliarden Menschen genutzt, aber von einer einzigen Person kontrolliert. Es ist eine extrem außergewöhnliche Konzentration von Macht. Irgendwann wird der Gründer sterben. Und was dann kommt, wissen wir nicht und wir können es auch nicht kontrollieren.“27

Auch wenn nach Lanier die sozialen Netzwerke noch nicht ihren Höhepunkt erreicht haben sollen und entsprechende Firmen seiner Meinung nach meist gutmeinend operieren, könnte sich dies schnell ändern und neue soziale Katastrophen stünden ins Haus, denn noch niemals zuvor standen so viele Informationen über Individuen zur Auswertung bereit. Lanier stellt lapidar fest: „Die Konzerne haben schon jetzt die Fähigkeit, jeden zu beeinflussen, etwa ob und wen die Menschen wählen. In den Händen der Falschen könnten sie ein machtvolles Werkzeug werden, etwas, wovon Diktatoren früher nur geträumt haben. Und es gibt keinerlei Kontrolle. Wir haben eben nur das Glück, dass es gerade ganz nette Leute sind, die die Netzwerke steuern.“28

Demokratische Gesellschaften sollten allerdings in Fragen der Menschenwürde, der persönlichen Freiheitsrechte und der informationellen Selbstbestimmung auf keinen Fall vom guten Willen einzelner Unternehmer abhängen, die ihre Macht nicht nur zur Maximierung von Werbeeinnahmen verwenden, sondern gleichzeitig z. B. auch in die politische Willensbildung eingreifen können.

Lanier führt hierzu aus: „Diese Konzerne haben machtvolle Instrumente der sozialen Kontrolle entwickelt. Staatsapparate können damit Menschen gewinnen, die auf traditionelle Propaganda nicht hereingefallen wären. Es ist billiger, einfacher und schneller als früher. China und Russland geben uns eine Ahnung davon, was passieren würde, wenn Google und Facebook in die falschen Hände fallen würden.“29

So machte bereits im Jahre 2010 eine US-Studie deutlich, dass allein die Information über den bereits erfolgten Urnengang von Facebook-„Freunden“ die Teilnehmerzahl (an der Wahl) um 60.000 Wähler und indirekt durch soziale Ansteckung um 280.000 Wähler erhöhte.30 Andere Studien aus Deutschland zeigen, dass neben der Aktivierung von Wahlbeteiligungen durchaus auch inhaltlicher Einfluss auf das Wahlverhalten durch soziale Medien möglich wird: „Unsere Untersuchung legt nahe, dass, selbst wenn Google nicht absichtlich Wahlen manipuliert, die Suchalgorithmen des Konzerns seit Jahren die Gewinner von Wahlen auf der ganzen Welt bestimmen, mit wachsendem Einfluss jedes Jahr.“ Nach Auffassung des zuständigen Studienleiters Robert Epstein entscheiden damit Algorithmen zumindest massiv dabei mit, wer die Macht hat und wirken als mächtige Verstärker, die gegebenenfalls auch eine Mehrheitsumkehr, herbeiführen können.31

Beispiel Uber

Der umstrittene Fahrdienst Uber, dem heute der lautstarke Widerstand der gesamten Taxi-Branche weltweit entgegenschlägt, wurde mit Hilfe einer Smartphone-App zur Taxileitstelle für Abertausende nicht organisierter Fahrer in der ganzen Welt und macht alteingesessenen Taxiunternehmen und Limousinen-Services massiv Konkurrenz.

Unter Verwendung des eigenen Kraftfahrzeugs und unter Umgehung gültiger Gewerbeordnungen und Gesetze hinsichtlich Zulassung von Fahrer und Fahrzeug, ebenso wie unter Umgehung diverser Regeln, z. B. auch für die Präsenz von Taxibetrieben in bestimmten Stadtgebieten, entsteht praktisch aus dem Nichts eine neue Wirtschaftsmacht, deren Wert im Sommer 2014 auf rund 18,2 Milliarden US-Dollar geschätzt wurde.32

Wie Jean Pisani-Ferry feststellt, ändern sich durch Anbieter wie Uber und die Vermarktung über digitale Plattformen die Grundbedingungen der Arbeit und die Interaktion zwischen Verbrauchern, Arbeitnehmern und Arbeitgebern: „Ein Kunde, der einen Uber-Fahrer ruft, kauft nicht nur eine Dienstleistung, sondern zwei: eine von der Firma (die Verbindung zu einem Fahrer) und die andere vom Fahrer selbst (den Transport).“ Entscheidend ist hierbei, dass die Beziehung zwischen Uber und seinen Fahrern nicht auf einem traditionellen Arbeitsvertrag beruht, wie dies bislang weitgehend der Fall war. Die Plattform agiert als kostenpflichtiger Vermittler zwischen Fahrer und Fahrgast. Diese Veränderung könnte weitreichende Folgen haben. Arbeit wird nicht mehr durch einen Vertrag geregelt, sondern unterliegt den gleichen Marktkräften, die auch auf andere Waren wirken, da die Preise der Dienstleistung je nach Angebot und Nachfrage variieren. Arbeit wird zu Marktpreisen bewertet.33

Neben weltweiten Protesten gegen Ubers Geschäftsmodell macht das Unternehmen auch mit zahlreichen Datenschutzverletzungen und menschenverachtenden Sprüchen seines Führungspersonal von sich reden. Kein Wunder, dass der auch in Deutschland tätige US-Fahrdienstleister von allen Seiten unter Druck steht und die Behörden die Aktivitäten von Uber behindern und in manchen Regionen verbieten.34 Dies allerdings sehen die US-Technologie-Giganten ganz anders: Google investierte mit knapp 258 Millionen Dollar erhebliche Mittel in Uber, ebenso wie übrigens auch Microsoft, mit einer Milliarde Investitionssumme in Uber.35 Diese Gelder werden nicht zuletzt in die großen Welteroberungs-Visionen von Uber investiert, Visionen, nach denen zukünftig nicht nur Menschen, sondern auch Waren von überall nach überall transportiert werden sollen. Nach Travis Kalanick, dem Gründer und CEO von Uber, soll das Unternehmen zu einer Art Welt-Transportservice werden, der es vielen Bewohnern von Großstädten ermöglichen soll, zukünftig auf das eigene Auto komplett zu verzichten. Weltweit, per Mausklick und preiswert, vorzugsweise auch mit selbstfahrenden Roboterautos, wobei sich hier der Kreis zu Google wieder schließt.36

Monopolismus und Welteroberung

Ähnlich große Weltbeherrschungsvisionen – wenn auch deutlich freundlicher verpackt und im Unterschied zu Travis Kalanick mit einem charmanten Chairman ausgestattet – hat auch der Reisedienstleister Airbnb unter der Leitung von Joe Gebbia. Airbnb möchte nicht nur die eine oder andere private Wohnung vermieten, sondern den gesamten Tourismus umkrempeln. Auch bei Airbnb geht es um Weltbeherrschungs-Szenarien und darum, die Welt des Reisens komplett nach eigenen Vorstellungen neu aufzurollen. Nach Gebbia soll Airbnb eben nicht nur Übernachtungen anbieten, sondern die Kunden auf der ganzen Wertschöpfungskette des Tourismus als Partner begleiten, Ausflüge, Mietautos, Restaurants, Events etc. alles aus einer Hand „und überall auf dem Planeten“.37 Airbnb wurde 2007 gegründet und ist heute bereits 13 Milliarden Dollar wert.

Neben den ganz Großen wie Uber, Airbnb, Google und Facebook gibt es mittlerweile auch sehr viele kleinere Firmen mit denselben Weltbeherrschungs-Vorstellungen, deren Unternehmensziel nicht die Nische, sondern immer die ganze globalisierte Welt darstellt. Manche von diesen Unternehmen mögen von Spinnern geleitet werden, viele haben allerdings auch ganz realistische Ziele, mit denen ganze Branchen und Berufszweige aus den Angeln gehoben und neu wieder aufgestellt werden sollen.

25 Jahre nach der Erfindung des World Wide Web, welches – wenn auch militärischen Ursprungs – zunächst durchaus auch als freiheitliche, partizipatorische und soziale Erneuerung gefeiert wurde, ist das Internet zum wichtigsten Motor für eine neue Art des Turbo-Kapitalismus geworden, der mittlerweile alles kommerzialisiert, allem voran unsere Privatsphäre. So zielt Facebook auf die konsequente Monetarisierung unserer innersten Verhältnisse. „Die sozialen Medien stellen eine aggressive Ausweitung des Kapitalismus auf unsere privaten Beziehungen dar“, so Snapchat-CEO Evan Spiegel und ergänzt: „Wir sollen vor unseren Freunden vortanzen, Dinge schaffen, die sie mögen, an unserer per­sönlichen Marke feilen, und als Marke sollen wir authentisch und widerspruchsfrei sein.“38

Deshalb warnen Insider wie John Naughton, Lehrstuhlinhaber an der Open University und Autor des Buches „Von Gutenberg bis Zuckerberg“,39 nachdrücklich und völlig zu Recht vor Internetunternehmen wie Facebook, Yahoo, Amazon oder Google. „Sie sind da, um ihre Gründer und Aktionäre reich zu machen. Ihr Ziel besteht darin, zu wachsen, ihre Märkte zu beherrschen und neue Märkte zu erobern. Gewerkschaften, Steuern und staatlicher Kontrolle stehen sie so feindselig gegenüber wie einst John D. Rockefeller, J. P. Morgan und Andrew Carnegie.“40

Dem wäre lediglich hinzuzufügen, dass es höchste Zeit geworden ist, aus der naiven Bewunderung für die neuen Wirtschaftsgiganten und deren neuem technischem Spielzeug auszusteigen, die digitale Komfortzone zu verlassen und kräftig Streit anzufangen. Streit immer genau an der Stelle zu eröffnen, wo es um Monopolismus, die Verletzung von Menschenwürde, die Missachtung der informationellen Selbstbestimmung und die Ausschaltung demokratischer Kontrollmechanismen geht!

C.   Staatsferne und Regierungsnähe

Die Tech-Elite aus Silicon Valley hat ihre eigene politische Philosophie, die Wohlstand und Zufriedenheit für alle, durch so viel Autonomie wie möglich und so wenig Staat wie möglich propagiert. Regulierung und staatliche Vorgaben werden abgelehnt, auch geht es den neuen Wirtschaftsgiganten nicht um die Einmischung in und Einflussnahme auf die Tagespolitik in Washington oder Brüssel.41 Im Gegenteil, so die Perspektive aus Silicon Valley, müssten– nachdem es den Staaten offensichtlich nicht gelingt, die großen Aufgaben der Zeit zu lösen – diese der Privatwirtschaft übertragen werden.

Anhänger dieser Art von Weltbild – wie Google – stellen damit die bisherigen politischen Mechanismen komplett infrage.42 Die Reprivatisierung staatlicher und gemeinschaftlicher Aufgaben liest sich allerdings in dem von Eric Schmidt und Jared Cohen verfassten Buch „Die Vernetzung der Welt – Ein Blick in unsere Zukunft“43 eher wie eine positive Zukunftsverheißung als eine Bedrohung für die Gesellschaft. An die Stelle staatlichen Versagens soll unternehmerisches Engagement treten. Staaten, Regierungen und Parlamente spielen in der libertären Utopie nur noch eine unbedeutende Rolle und sollen durch privatwirtschaftlich bereitgestellte Technik ersetzt werden. Auf diese Weise sollen die Probleme des 21. Jahrhunderts gemanagt werden, Probleme wie zum Beispiel Klimawandel, Armut, Gesundheitsversorgung, die nach Schmidt und Co. nur durch technische Erfindungen und auf privatwirtschaftlichem Wege gelöst werden können.44

Unabhängig davon, ob der technikorientierte Fortschrittsglaube tatsächlich auf fundierten Annahmen beruht, können wichtige Zukunftsaufgaben eben gerade nicht auf privatwirtschaftlichem Wege gelöst werden. Dies, weil insbesondere technikbezogene Zukunftsperspektiven wie die künstliche Intelligenz und der Transhumanismus enorme Voraussetzungen hinsichtlich Wertehorizont und Ethikvorstellung implizieren, über die gesamtgesellschaftlich entschieden werden muss! Deshalb sind an dieser Stelle demokratische Mitwirkungsrechte bei der Gestaltung der Zukunft zu sichern und nicht privater Initiative zu überlassen.

Die antidemokratische Denke des amerikanischen Libertarismus ist nicht auf Silicon Valley beschränkt. Die Kernthese von Peter Thiel, nach der sich Freiheit und Demokratie gegenseitig ausschließen,45 wird mittlerweile auch anderswo vertreten: Der Kanadier Daniel A. Bell lehrt politische Philosophie an der Pekinger Elite-Universität Tsinghua und meint: „Ich glaube nicht länger daran, dass Demokratie in der Form ‚Eine Person – eine Stimme‘ der beste Weg ist, um ein politisches System zu organisieren.“ Bell plädiert stattdessen für eine Auslese der politischen Führungselite nach intellektuellen Fähigkeiten und moralischen Standards. Ein System, das er in der Kommunistischen Partei Chinas (KPC) zwar nicht perfekt, aber doch in Ansätzen verwirklicht sieht.46 Interessant ist hierbei insbesondere, dass derartigen Auffassungen öffentliches Gehör verschafft wird, nicht zuletzt durch Kolumnen in der Financial Times, im Guardian, der Huffington Post etc.

Nicht nur die allgemeinen Auffassungen zum Thema Staat und Gemeinschaft, sondern auch die meisten Geschäftsmodelle aus dem Umfeld von Silicon Valley sind hochgradig demokratiefeindlich und entsprechen in keiner Hinsicht den Anforderungen an moderne partizipatorisch aufgestellte Gesellschaften.

So liegt das grundlegende Geschäftsmodell sehr vieler High-Tech Firmen wie Google, Microsoft und Facebook im Sammeln von Daten über Anwender-Interessen und Anwender-Gewohnheiten etc., die zum punktgenauen Bewerben von Produkten und Dienstleistungen verwendet werden und damit Werbeeinnahmen zu erzielen, sowie um Persönlichkeitsprofile für zukünftige Geschäftsmodelle zu generieren.

Diese zunächst relativ harmlos anmutende Big Data-Informationssammlung im scheinbaren Interesse des Konsumenten, um diesem immer noch bessere und maßgeschneiderte Angebote unterbreiten zu können, sollte allerdings nicht über die eigentliche Bedeutung des Sachverhaltes globaler Datenerfassung und Datenspionage hinwegtäuschen. Bei aller Staatsfeindlichkeit gibt es nämlich verschiedenste höchst effiziente Seilschaften zwischen Internet-Unternehmen und dem Staat, wie unter anderem anlässlich des so genannten Prism-Skandals bekannt wurde. „Das wichtigste Geschäftsmodell des Internet basiert auf der Massenüberwachung“, schreibt Bruce Schneider, Experte für Computersicherheit. „Und die staatlichen Spionageagenturen sind süchtig nach diesen Daten.“47

Hier im Bereich aktiver Spionage spielt vor allem das Big-Data-Unternehmen Acxiom eine bedeutende Rolle, welches als Informationshändler Profile von ca. 75 Prozent aller Amerikaner angelegt haben soll, jedes mit etwa 5.000 Datenpunkten ausgestattet. Diese Profile wurden erstellt, um vermeintlich verdächtige Personen im Bedarfsfalle aufspüren zu können. Daten also, die gewinnbringend an die NSA, das Verteidigungsministerium oder das Ministerium für Innere Sicherheit verkauft werden können.48

Ein ähnlich gefährliches Unternehmen wie Acxiom und ebenfalls enger Partner der US-Staatsmacht ist Peter Thiels 2004 gegründetes Datenspionage-Unternehmen Palantir, welches als hochverlässlicher Beschaffer von Daten für Spionage- und Polizeianwendungen gilt. Palantir erhielt nach Recherchen von Andrew Keen 2 Millionen Dollar von In-Q-Tel, dem Risikokapitalarm der CIA, welche von 2005 bis 2008 der einzige Kunde von Palantir gewesen sein soll. Heute arbeitet Palantir auch für das FBI, die United States Army, Marines und Air Force sowie das amerikanische Verteidigungsministerium und wurde 2013 auf einen Wert von 9 Milliarden Dollar geschätzt.49

Es entsteht auf diese Weise eine gefährliche Allianz zwischen den staatsfeindlichen Turbokapitalisten und deren Dienstleistungsangeboten für die Staatsmacht, vor der nicht zuletzt auch der frühere Innenminister Schily unter Bezugnahme auf den unlängst verstorbenen FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher als einer „Verschmelzung wirtschaftlicher und militärischer Macht“ warnt. Es bestehe die Gefahr, „dass über das Internet eine Art anonyme Schattenregierung entsteht, die allmählich mehr Macht bekommt als die politischen Institutionen“. Genau hier in der Zusammenarbeit von „NSA, Google, Facebook und Co. könnte ein Machtgebilde entstehen, das uns beherrscht und in Abhängigkeit bringt“.50

D.   Autarkie durch Errichtung staatsfreier Zonen auf dem Land, zu Wasser und im Universum

Die libertaristische Staats- und Regulationsfeindlichkeit konsequent zu Ende gedacht, führt für die Silicon-Valley-Turbokapitalisten zu Autarkie-Streben und zu dem Wunsch nach Errichtung staatsfreier Zonen auf dem Land, zu Wasser und im Universum. Zonen, die ohne das Wettbewerbshindernis demokratischer Abläufe auskommen.51 Google-Gründer Larry Page hatte diese Vision des libertären Turbokapitalismus bereits 2013 sehr deutlich ausgesprochen: „Es gibt eine Menge Dinge, die wir gern machen würden, aber leider nicht tun können, weil sie illegal sind, weil es Gesetze gibt, die sie verbieten. Wir sollten ein paar Orte haben, wo wir sicher sind. Wo wir neue Dinge ausprobieren und herausfinden können, welche Auswirkungen sie auf die Gesellschaft haben.“52

Seasteading Institute

Zur Entwicklung solcher regulationsfreien Räume gibt es schon seit geraumer Zeit Pläne für schwimmende Büros auf Kreuzfahrtschiffen in internationalen Gewässern und noch extremere Pläne, gleich ganze schwimmende Städte auf künstlichen Inseln als neue Tech-Staaten zu errichten.53

Das von Randolph Hencken geleitete Seasteading Institute plant deshalb die Besiedlung der Ozeane. Nachdem es nirgendwo Raum für Experimente mit anderen Regierungsformen gäbe, wird am Seasteading Institute seit mehreren Jahren erforscht, wie sich schwimmende Städte und künstliche Inselstaaten entwickeln lassen, zum Beispiel als Plattformen konstruiert, die wie Bohrinseln befestigt werden können. Dies, um dort regulationsfrei und ungehindert leben und arbeiten zu können,54 genauso wie von Page vorgeschlagen.55 Es überrascht wenig, dass Starinvestor und libertärer Vordenker Peter Thiel das Projekt persönlich mit 1,25 Millionen Dollar fördert.

Mit solchen Szenarien könnten gleich mehrere Zielvorstellungen auf einmal umgesetzt werden. So spielt für Hencken und Kollegen natürlich die auf solchen „Inseln“ vergleichsweise unkomplizierte Immigration eine entscheidende Rolle, ebenso wie die erwartete Steuerfreiheit, die maximale Entfaltung unternehmerischer Initiative, kurz die Abwesenheit der Demokratie und damit maximale Gestaltungsfreiheit.56 Nachdem eine komplette Isolation von allen staatlichen Einflüssen selbst für die libertären Vordenker noch etwas weit hergeholt scheint, wird am Seasteading Institute erwogen, zunächst vor Honduras vor Anker zu gehen. Ausgerechnet Honduras als Gastland zu akzeptieren, ein Land, in dem es in den letzten 150 Jahren an die 125 Militärputsche gab, scheint ein relativ hoher Preis für wirre anti-etatistische Philosophien zu sein, der im Übrigen in ähnlicher Form auch bei dem Einsatz von Kreuzfahrtschiffen zu bezahlen wäre, die bekanntlich immer unter der Flagge einer bestimmten Nation fahren müssen.57

Blueseed

An der Entwicklung einer demokratiefreien Zone wird nicht nur am Seasteading Institute gearbeitet: In internationalen Gewässern, zwölf Seemeilen vor der kalifornischen Küste, soll auch Blueseed gegründet werden. Eine Oase schwimmender Plattformen – mit Palmen, Sonne und Swimmingpool – die den erfolgreichsten Unternehmen Raum zur Entfaltung ohne einengende Gesetze, Steuern, Visumspflicht und sonstigen staatlichen Vorgaben dienen soll. Dario Mutabdzija und Max Marty wollen ein großes Kreuzfahrtschiff mit innovativen Startups bemannen und mit ihm vor der Küste Kaliforniens vor Anker gehen. Die Schiffsbewohner hätten dann die Möglichkeit, ganz einfach mit einem Touristen- oder Business-Visum Investoren und Businesspartner im Silicon Valley zu besuchen.58 Dies wäre vor allem auch ein Anreiz für ausländische Talente, denn bekanntlich braucht jeder, der in den USA arbeiten will, ein Visum, welches nicht ganz leicht zu bekommen ist. An Bord von Blueseed würde es dagegen keine strengen Einwanderungsgesetze geben, Experten aus aller Welt könnten hier relativ ungestört und bequem (zusammen-)arbeiten.59

Ein ganz ähnliches Projekt machte bereits 2005 von sich reden. Damals bewarb das Unternehmen SeaCode die Möglichkeit, Fachkräfte auf einem Kreuzfahrtschiff in direkter Nähe zum Silicon Valley zu positionieren. Der Versuch, auf diese Weise von niedrigeren Löhnen zu profitieren, brachte dem Projekt jedoch schnell den Ruf eines Sklavenschiffs ein.60

Diese Art von Denken wird insbesondere auch von Google gepflegt, denn Städte auf dem Wasser würden keinem einzelnen Staat mit entsprechenden Hoheitsrechten mehr angehören. Dies könnte für die Zukunft bedeuten, dass nicht nur Startups auf solche schwimmenden Eldorados der Gesetzlosigkeit verfrachtet werden, sondern Google selbst dorthin sein Hauptquartier verlegen könnte.61 Wahrscheinlich unterstützt Google deshalb auch die Planung und Entwicklung riesiger Schiffe für die Unterbringung schwimmender Arbeitswelten auf offenem Meer, die in staatenlosem Gewässer ungebunden operieren können. Vielleicht plant Google auch für alle Fälle die Verlegung der Zentrale in einen rechtsfreien Raum, um auf diese Weise Datenschutz und Kartellämter zu umgehen als „eine Art Überstaat, der sein schwimmendes Reich ungestört an allen Nationalstaaten vorbeinavigiert.“62

Hightech -Kolonie auf dem Mars

Elon Musk, Paypal-Mitgründer und CEO des E-Automobil-Bauers Tesla ebenso wie des Raumfahrtunternehmens SpaceX, plant auf dem Mars eine Kolonie mit bis zu 80.000 Einwohnern. Der erste Flug soll bereits in zehn bis 15 Jahren starten. „Auf dem Mars lässt sich eine selbsterhaltende Zivilisation starten und zu etwas richtig Großem entwickeln“, so Musk vor der Royal Aeronautical Society in London. Entweder wäre diese Mars-Mission eine gemeinsame Aktion von Regierungen und Privatsektor oder es müsse die Geschäftswelt den Job auch vollständig allein übernehmen: „Es muss passieren, auf die eine oder die andere Art.“63

Aufteilung Kaliforniens und Exit des Silicon Valley

Während Elon Musk auf dem Mars siedeln möchte, konzentrieren sich andere auf eine Hightech-Kolonie nicht in den Sternen, sondern gleich vor der Haustür in Kalifornien. Tim Draper, Risikokapitalist aus Silicon Valley, initiierte deshalb 2014 eine Volksabstimmung. Diese hatte die Aufteilung von Kalifornien in sechs Bundesstaaten zum Ziel, von denen einer Silicon Valley sein sollte.64 Mit seinen knapp 38 Millionen Einwohnern sei der bevölkerungsreichste US-Bundesstaat in seiner jetzigen Form nicht mehr regierbar, man brauche weniger Regierung, mehr Eigenverantwortung und die einzelnen Regionen dringend einen Neustart.65

Draper gehört genau zu der Gruppe von Turbokapitalisten, die gegen Regulation und für die Übernahme öffentlicher Aufgaben durch die Privatwirtschaft eintritt. Weil die Universitäten im Land seiner Meinung nicht genug Unternehmergeist verbreiteten, gründete er folgerichtig seine eigene Hochschule. An der Draper University of Heroes im kalifornischen San Mateo bekommen die Studenten für 9.500 Dollar in acht Wochen das Rüstzeug, welches sie für die rigorose Durchsetzung des neuen Turbokapitalismus brauchen. „Draper University fosters a community of diverse leaders who want to change the world by equipping them with Skills, Access and Resources in Silicon Valley.“66 Balaji Srinivasan, Professor an der Stanford University und selbst Unternehmer, hat diese Autarkie-Fantasien noch einen Schritt weiter entwickelt und propagiert als „ultimativen Exit des Silicon Valley“, den Austritt der Region aus den Vereinigten Staaten. „Wir brauchen eine Gesellschaft außerhalb der Vereinigten Staaten, die von der Technologie beherrscht wird.“67

Ja, wäre das nicht schön? Draußen vor der Küste Kaliforniens könnte bald eine schwimmende Experten-Kolonie neben der anderen außerhalb der amerikanischen Grenzen und Gesetze entstehen – und doch in unmittelbarer Nähe zum Silicon Valley.68 Draußen auf dem Meer, im Weltraum oder sonst wo könnten die modernen IT-Freibeuter ohne Einmischung irgendeiner Staatsmacht, wie von Larry Page gefordert, durchaus auch mal die einen oder anderen illegalen Experimente durchführen, um dabei herauszufinden, welche Auswirkungen diese auf die Gesellschaft haben würden.

Der geneigte Leser fragt sich wahrscheinlich spätestens an dieser Stelle, welche neuen und nach heutiger Rechtsprechung „illegalen“ Formen des Umgangs miteinander wohl gemeint sein könnten, die den Aufwand wert wären? Nachdem es sich voraussichtlich weniger um neue intrinsische Motivationsversuche und Beteiligungsformen für Mitarbeiter handeln dürfte, bleibt wahrscheinlich nur reines Profitstreben als Begründung übrig. Hierbei allerdings wäre Steuerfreiheit, entfallende Visumspflichten, keinerlei Regulation und die freie Verfügung über illegal erworbene Nutzerdaten von großem Nutzen.69 Mobile Working 2.0 bedeutet somit die Verfrachtung der schwimmenden Städte schlicht an eine andere Stelle, sollte sich dies ökologisch oder politisch als opportun erweisen. So könnten dann Fachkräfte immer genau dort arbeiten, wo die Standortbedingungen am günstigsten sind – in einer Kolonie von Gleichgesinnten, die auf eine staatliche Institution nicht mehr angewiesen ist.70

Bleibt die Frage, ob sich die neuen Freiheiten auf die Unternehmer und Firmeneigentümer allein beziehen werden oder ob diese auch für die Mitarbeiter gelten sollen. Wie werden Konflikte unter den Mars- oder Wassersiedlern gelöst und ist es überhaupt gerechtfertigt und gesellschaftlich gewollt, alles dem maximalen Profit im gesetzesfreien Raum unterzuordnen? Wenn gemeinschaftliche und partizipative Entscheidungsfindungen als veraltet angesehen werden, wer gibt dann die Spielregeln für ein neues und gedeihliches Zusammenleben vor? Die Antwort liegt ziemlich auf der Hand! Niemand anders als die zukünftigen Eigner dieser Offshore-Hightech-Environments wird bei Fragen des Arbeitsschutzes, der Entlohnung etc. überhaupt eine Stimme haben.

E.   Heilslehre für eine bessere Welt

Staatsferne und die Ablehnung jeder Art von Regulation sind wichtige Elemente einer politischen Philosophie, die als explosive Mischung aus esoterisch angehauchtem Hippie-Denken und knallhartem Kapitalismus besteht. Diese Philosophie wird zur Heillehre überhöht und ist von einem unerschütterlichen Glauben an die Macht der Technik geprägt, mit der alle Zukunftsfragen gelöst werden können. Die Welt soll an Hightech-Innovationen genesen, eine bessere Zukunft ist das Resultat einer besseren Technik. Viele der neuen Turbokapitalisten scheinen tatsächlich daran zu glauben, dass ihre Arbeit zum Wohl der Menschheit beiträgt, dass sie die Zivilisation in großen Schritten vorwärtsbringen: „Wir haben lange nicht über die richtigen Fragen nachgedacht“, sagt Thiel. „Was muss passieren, damit die Welt ein besserer Ort wird?“71

Radikale Fortschrittsgläubigkeit und das vollständige Primat der Technik sind damit der Kern einer neuen Art von Religion, welche nicht zuletzt von Ray Kurzweil72 bereits vor mehr als 10 Jahren formuliert und mit dem Begriff der Singularität zusammengefasst wurde. Singularität steht für die maximale Annäherung von Mensch und Maschine und die Verschmelzung von menschlicher und künstlicher Intelligenz, durch welche in Zukunft – über sich gegenseitig selbst beschleunigende Technologien – eine neue Zivilisationsstufe erreicht werden soll. Ein Zeitpunkt an dem, nach einschlägiger Meinung, Maschinen die Menschen überflügeln werden.73 Diese neue Menschheit 2.0 wird sich durch denkende und sich selbst optimierende Roboter, die Verlängerung des Lebens, selbstfahrende Autos, neue Holographie-Formen, neue Habitat- und Ernährungsformen und viele weitere Technologien zur Vereinfachung unseres Lebens oder schlicht zu unserer Unterhaltung auszeichnen. „Der technologische Wandel wird so schnell sein, dass das menschliche Leben unwiderrufbar verwandelt wird“, so schreibt Kurzweil in seinem Buch „Menschheit 2.0“74 und liefert damit den nötigen philosophischen Überbau für den zur Erlöserfantasie stilisierten Tech-Optimismus.75

Neben den von Kurzweil beschworenen Segnungen ist die künstliche Intelligenz allerdings inzwischen schon zu einer derartigen Bedrohung für den Arbeitsmarkt geworden, dass selbst Google-Vorstand Eric Schmidt dieses Problem einräumt. Im Jahr 2014 erklärte er auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos, „der Wettlauf zwischen Computern und Menschen“ werde in den kommenden 25 Jahren die Weltwirtschaft definieren. Er fügte zwar hinzu, dass der Mensch diesen Wettlauf gewinnen müsse – aber sollen wir wirklich glauben, dass Google mit seinen massiven Investitionen in die künstliche Intelligenz auf unserer Seite steht?76 So warnt also Hofstetter zu Recht vor einer Entwicklung gesellschaftlich unkontrollierter künstlicher Intelligenz: „Verschärfen wird sich die Situation für die arbeitende Bevölkerung weiter, wenn intelligente Maschinen immer häufiger menschliche Arbeiten automatisieren. Entgelte fließen dann nicht mehr als Gegenleistung für Arbeit an ihre Leistungsträger und damit anteilig in die Sozialsysteme, sondern stattdessen als Erträge in Form von Lizenz-, Abonnements- und Nutzungsgebühren an die Anbieter intelligenter Maschinen und später als Dividende an deren Investoren: Wieder sind es die Überwacher, die Gewinne machen.“77

Deshalb steht der ungezügelte Einsatz künstlicher Intelligenz im Widerspruch zumindest zu einer europäischen Verfassungskultur wie diese im deutschen Grundgesetz, der Charta der Grundrechte der Europäischen Union oder im Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte, dem UN-Zivilpakt, zum Ausdruck kommt. Dies, wie Hofstetter klarstellt, weil von der Unversehrtheit und Gewährleistung der Grundrechte die faktische Freiheit einer Person abhängt, „sie sind der Gesellschaftsvertrag und die politischen Garantien, damit der Mensch frei über sich verfügen kann. Dort, wo Grundrechte zur Disposition stehen und der Mensch einer Kontrolle unterworfen wird, die ihn zur Konformität zwingt, hört die Freiheit auf und beginnt die Diktatur.“78

Aber genau auf derartigen Vorstellungen werden die neuen Silicon-Valley-Geschäftsmodelle aufgebaut und entwickelt. Man möchte dabei wohl tatsächlich mehr als nur Geld verdienen, die Welt soll parallel zu der Erwirtschaftung von Milliarden wohl auch zu einem besseren Ort transformiert werden. So will beispielsweise Airbnb kein normales Unternehmen sein, sondern gleich eine „Bewegung“ zur Veränderung von Tourismus und Wohnen. Es soll mit dieser „Bewegung“ zugleich ein Weg für ein scheinbar faireres und effizienteres Wirtschaftsmodell gegangen werden. „Geld verdienen und dabei Gutes tun“ heißt die Maxime von CEO Gebbia. „Wir sind mit der Überzeugung aufgewachsen, dass man sein Leben am besten darauf verwendet, das Leben anderer besser zu machen, zu versuchen, die Welt zu verbessern.“ Es scheint ihm tatsächlich um mehr als nur den maximalen Profit zu gehen: „Niemals könnte ich Jahre um Jahre harter Arbeit in etwas stecken, das keine Seele hat.“ Warum soll das nicht gehen, fragt Gebbia, die Welt erobern und sie dabei auch ein bisschen besser machen?79 Klingt charmant, ist aber höchst gefährlich, wenn darüber, was genau „ein bisschen besser“ bedeuten soll, von mächtigen Einzelnen statt von Gemeinschaften entschieden wird.

Bezogen auf die Frage nach der eigenen Wichtigkeit auf dem Weg in eine bessere Welt ist Facebook kaum zu übertreffen. In Ableitung des Zuckerberg’schen Gesetzes postuliert Facebook, dass, je mehr Mitglieder in sozialen Netzwerken mitmischen, umso kulturell, wirtschaftlich und vor allem moralisch wertvoller würde Facebook für alle werden. Auf Grundlage von aktiver Selbstüberwachung und Selbstpreisgabe gilt das Prinzip der Selbstverstärkung der Netzwirkung als logische Konsequenz der Prämisse, nach der das moderne Leben umfassend transparent und dass damit kollektives Teilen privater Informationen völlig normal wird. Facebook hat sich die Ideale der Offenheit und Transparenz zu Eigen gemacht und begrifflich für sich besetzt und schafft damit Schritt für Schritt die Privatsphäre ab.

Dies geschieht, zumindest deklaratorisch, bei Facebook nicht nur um des schnöden Mammons willen: Zuckerberg scheint tatsächlich zu glauben, dass Facebook in Zukunft die Menschheit vereinen könne. Für ihn ist es damit geradezu moralische Pflicht, sich in seinem Netzwerk möglichst vollständig zu entblößen. Folgerichtig vertritt Zuckerberg deshalb auch die Auffassung, dass wir nur „eine einzige Identität“ hätten und „zwei Identitäten zu verwenden ist ein Zeichen für mangelnde Integrität“. Genauso wie auch Facebook-Geschäftsführerin Sheryl Sandberg meint: „Auf Facebook muss jeder sein wahres Selbst zeigen“.80

Allerdings liegt genau hier ein gefährlicher Irrtum, denn Menschen haben und pflegen nun mal eine Vielzahl von Identitäten, z. B. als (Wut-)Bürgerin, Geliebte, Freundin, Angestellte, Frau, Mutter, Tochter etc. Weil sie in ihrer jeweiligen Rolle keine Kompromisse eingehen wollen und nicht bereit sind, diese aufzugeben, zeigt genau diese Mehrfachidentität ein hohes Maß an Integrität der Menschen, wie Keen plausibel argumentiert.81

Döpfner verweist in diesem Zusammenhang auf ein beunruhigendes Zitat von Eric Schmidt: „Wenn es Dinge gibt, von denen Sie nicht wollen, dass irgendjemand etwas darüber erfährt, dann sollten Sie so etwas nicht tun“. In die gleiche Richtung geht eine Aussage von Zuckerberg, anlässlich einer Sun Valley-Konferenz auf die Frage, wie es Facebook mit der Speicherung von Daten und dem Schutz der Privatsphäre halte: „Ich verstehe Ihre Frage nicht. Wer nichts zu verbergen hat, hat auch nichts zu befürchten.“82 Döpfner weist darauf hin, dass sich mit solchen Aussagen ein Menschen- und Gesellschaftsbild offenbart, welches totalitären Regimen, nicht aber modernen Gesellschaften gut zu Gesicht steht. Das Prinzip freiheitlicher Ordnungen besteht mit Döpfner doch gerade darin, dass wir nicht alles preisgeben müssen und selbst bestimmen, was öffentlich sein soll und was nicht. So gesehen, macht das Recht auf „Geheimnisse“ eine wirkliche Demokratie erst aus. „Nur Diktaturen wollen anstatt einer freien Presse den gläsernen Bürger.“83

Noch einmal ist hier Döpfner explizit zuzustimmen, denn hier wird allen Ernstes ein Gesellschaftsbild vorgestellt, welches in perfekter Form in dem vielbeachteten Roman „The Circle“ von Dave Eggers beschrieben wurde.84 Zuckerberg zu Ende gedacht, führt dazu, dass alle ständig mit einer Kamera um den Hals herumlaufen, als permanent öffentliche Person, deren Handlungen vor niemandem verborgen bleiben. Im Umkehrschluss haben alle diejenigen, die sich weigern werden, im global-digitalen Dorf auf diese Art von permanenter Öffentlichkeit einzugehen, ganz offensichtlich etwas zu verbergen und wahrscheinlich irgendeine Art von Dreck am Stecken.

Sharing ist nicht gleich Sharing

Ein wichtiges Element der Vermarktung des neuen Monopolismus ist die Einbettung diverser Geschäftsmodelle in das Konzept der Sharing Economy: Auf sehr geschickte Weise wird hierbei auf einen ganz wichtigen Trend aufgesetzt, bei dem die junge Generation tatsächlich weniger auf „Besitzen“ und maximale Aneignung setzt, sondern mehr auf gemeinsame Nutzung und Teilhabe an gemeinschaftlichem Besitz. Carsharing,85 Werkzeug-Sharing, gemeinsame Gärten86 und vieles andere mehr sind Beispiele für diesen neuen Zukunftstrend, auf den nicht zuletzt auch Matthias Horx87 in seiner Trendstudie „Die Zukunft des Konsums“, Zukunftsinstitut GmbH, bereits 2013 hinweist. Dieser auf Kooperation, Synergie und Symbiose ausgerichtete Gemeinschaftstrend hat allerdings mit dem aggressiven Profit- und Monopolinteresse eines Uber-Angebotes oder auch mit der deutlich freundlicher aufgestellten Airbnb-Privatraum-Verwertung nur wenig zu tun.

Airbnb und Uber sind die Protagonisten genau dieser gegen sich selbst verdrehten „Sharing Economy“. Geht es auf der einen Seite, dem ursprünglichen Ansatz einer Ökonomie des Teilens, um die Maximierung des Gemeinnutzens bei konsequenter Minimierung unnötiger Ressourcenverschwendung, geht es auf der anderen Seite um eine neue und gefährliche Spielart des Monopol-Kapitalismus unter Verwertung des privaten Automobils und Schlafzimmers.

Wie Thomas Haberl im Süddeutsche Zeitung-Magazin ausführt, wird zum Beispiel von Airbnb & Co. als gebührenpflichtige Dienstleistung etwas verkauft, was ursprünglich ganz normaler Teil unseres Lebens war. Es scheint, als ob die angesagten Plattformen „wie Facebook (Information), Airbnb (Wohnungen), Joinmymeal (Essen), Parking Panda (Parkplätze), City Dog Share (Hunde) oder Pinterest (Hobbys) uns genau die Annehmlichkeiten andrehen wollen, die uns als Gesellschaft zur gleichen Zeit abhandenkommen“.88 Haberl verweist auf den Soziologen Harald Welzer, für den die „Share Economy“ der ökologische Gegenentwurf zu dem modernen Turbokapitalismus darstellt, nämlich „die Kommerzialisierung dessen, was einmal ungeregelte soziale Praxis war. Da ist zu einem riesigen Markt verkommen, was früher als privater Tausch stattfand.“ Haberl macht deutlich, dass hierbei jeder zu einem potentiellen Anbieter und Kunden wird und alle dabei zu berechnenden Wirtschaftssubjekte degenerieren, die ständig auf der Suche nach Gewinnmaximierung sind. Ein Zustand, den im Übrigen Sascha Lobo als „Plattform-Kapitalismus“ bezeichnet und der ausnahmslos alles zur Ware macht: Kunst, Liebe, Freundschaft, Gesundheit, Parkplätze, Abstellkammern und neuerdings auch Mitmenschlichkeit!89

F.   Neuer Reichtum, neue soziale Probleme

Die gepriesenen neuen Technologien und die von vielen IT-Workern gefeierte Unternehmensphilosophie des „Anti-Unternehmens“ ohne herkömmliche Machtstrukturen sind zugleich verantwortlich für die zunehmende Ungleichheit zwischen den neuen Superreichen und dem Rest. Andrew Keen nennt hierfür viele Beispiele wie z. B. die Tatsache, dass der Mindestlohn in den USA zwischen 1968 und 2013 (inflationsbereinigt) von 10,70 Dollar pro Stunde auf 7,25 Dollar fiel und in den vergangenen zwölf Jahren rund 40.000 Stellen verloren gingen.90 Während die Zahl der Obdachlosen in Silicon Valley von 2011 bis 2013 um 20 Prozent anstieg und der Anteil von Menschen unter der Armutsgrenze im gleichen Zeitraum von 8 auf 14 Prozent anwuchs, stieg dort auch die Zahl der Einwohner, die Lebensmittelmarken bezogen, von 25.000 im Jahr 2001 auf 125.000 im Jahr 2013. Die Arbeitsplätze in Silicon Valley sind hierbei keineswegs sicher, es herrschen hohe Fluktuations- und Entlassungsraten. Nach Zahlen des Arbeitsministeriums aus den Jahren 2012 und 2013 entließen neue Unternehmen 25 % der Arbeitnehmer im ersten Jahr, während in etablierten Unternehmen jährlich nur 6,6 % aller Mitarbeiter entlassen werden.91

Wie einem Zeit-Artikel vom Mai 2015 zu entnehmen ist, gilt die beispielsweise von Google demonstrierte neue Unternehmenskultur maximaler Freiheits- und Entfaltungsräume am Arbeitsplatz mit Google-Fridays, Spiel- und Fitnesszonen bei bester Arbeitsatmosphäre, keineswegs überall. So steht der bereits erwähnte Elon Musk für extra-rigide Führungsmethoden, bei denen schon mal Kaffee über den Tisch gespuckt, Drohungen, „die Eier abzuschneiden“, ausgestoßen und ansonsten bedingungsloser „rund-um-die-Uhr“-Einsatz verlangt wird, wenn bei Tesla – dem zugegebenermaßen innovativsten Autobauer der Welt – dies dem Chef erforderlich scheint.92

Außerdem scheinen die Altersgrenzen für Beschäftigungsverhältnisse im Umfeld von Silicon Valley komplett aus dem Lot zu sein. Während der durchschnittliche arbeitende US-Amerikaner 42,3 Jahre alt ist, beträgt das mittlere Alter der Mitarbeiter von Facebook und Google 28 beziehungsweise 29 Jahre.93 Es gelten jedoch nicht nur Vorbehalte gegenüber älteren Mitarbeitern, sondern auch gegenüber Frauen. Hier ist eine längst überwunden geglaubte Frauenfeindlichkeit zu beobachten, die nicht nur in einem bis zu 50 Prozent geringeren Lohn für die gleiche Arbeit bei Frauen zum Ausdruck kommt, sondern auch in der täglichen Arbeitspraxis gilt. Hier werden Frauen von smarten jungen Entwicklern zunehmend und ganz offen als Sexualobjekte behandelt, wie dies zum Beispiel mit der sexistischen „Tittshare-App“ zum Ausdruck kommt.94

Aber nicht nur ältere und weibliche Mitarbeiter sind in Gefahr, von dem neuen Turbokapitalismus achtlos überrannt zu werden. Nach Forschungen der Universität Oxford könnten in den kommenden Jahrzehnten in den Vereinigten Staaten 47 Prozent aller Arbeitsplätze verloren gehen, darunter 10 komplette Berufsbilder wie Steuerberater, Bibliothekare, Telefonverkäufer, Näher, Buchhalter und Fotoentwickler.95

Auf dem Weg dorthin werden in einer sich weiter verschärfenden Zweiklassengesellschaft „niedere“ Arbeiten über Dienstleistungsnetzwerke wie „Task-Rabbit“ an die neuen Unterschichten konsequent outgesourct. Dort wird für geringes Geld fast jede Tätigkeit übernommen, von Reinigungskraft bis Blumenbote, vom Einkaufen bis zum Schlangestehen.96

Was nicht passt, wird passend gemacht, und was sich nicht anpassen will, fliegt raus. Stehen Gesetze im Weg, sind diese zu ändern. Wirken rechtsstaatliche Gebilde als Hindernis, wird auf dem Meer und auf dem Mars weitergewirtschaftet! Wenn der schönen, neuen Welt alte gesellschaftliche Werte wie Privatsphäre und Datenschutz im Weg stehen, dann müssen eben andere Grundwerte her!

G.   Gesellschaftlicher Wandel ohne demokratische Beteiligung und Legitimation

Und damit sind wir wieder beim Ausgangspunkt angekommen. Übermächtige Unternehmer proklamieren vollmundig „das Internet als Raum der Vielfalt, Transparenz und Gleichberechtigung und als Ort, der das Althergebrachte aufsprengt und gesellschaftliche und wirtschaftliche Chancen für alle eröffnet.“97

Diese idealisierte Darstellung des Internets allerdings setzt die persönliche Bereicherung mit gesellschaftlichem Nutzen für alle gleich und feiert Unternehmen wie Google, Facebook und Uber, weil sie, angeblich zum Wohle der Allgemeinheit, bestehende Regeln und Institutionen zerstören.

Ohne Zweifel ist ein gewaltiger gesellschaftlicher Wandel im Gange, der ohne demokratische Beteiligung und ohne jede gesellschaftliche Legitimation vonstattengeht. Die durch den Libertarismus geforderte uneingeschränkte Freiheit des Wirtschaftens und Privatisierung öffentlicher Aufgaben führt zu der monopolistischen Alleinherrschaft weniger Konzerne!

Und genau hier gilt es aufzupassen, denn die Zurückdrängung des Rechtsstaates führt dazu, dass staatliche Funktionen und Hoheitsrechte von privaten Personen und undurchsichtigen Organisationen übernommen werden können. Diese sind in Folge demokratisch nicht zu kontrollieren, die Gesellschaft bleibt außen vor.98 Solchen Entwicklungen ist entschieden Einhalt zu gebieten und hierbei wird auch die staatliche Regulierung eine wichtige Rolle spielen. Ähnlich der ersten großen industriellen Revolution wird auch bei der derzeitigen technischen Revolution ein gehöriges Maß an staatlicher Einflussnahme zum Schutze der Bürger notwendig werden. Wie Andrew Keen richtig bemerkt, verschwanden „Räuberbarone“ wie John D. Rockefeller und Monopolisten wie Standard Oil nicht von selbst. Sie wurden per Gesetz zerschlagen.99

Aus diesem Grunde fordert der Soziologe Richard Sennett „ist es an der Zeit, Google zu zerschlagen“ und fügt hinzu: „Das Problem ist ganz einfach. Das Unternehmen ist zu mächtig, genau wie Apple und viele andere große Technologieunternehmen“. „Wäre er heute am Leben“, schreibt Sennett über den amerikanischen Präsidenten Theodore Roosevelt, der einst Standard Oil zerschlug, „dann würde er seine Kanonen auf Google, Microsoft und Apple richten. Wir brauchen heute ähnlich mutige Politiker.“100

Allerdings wird es heute mehr bedürfen als einiger mutiger Politiker! Notwendig ist vor allem gesellschaftlicher Druck, um, wie Hofstetter formuliert, bestehende „monopolistische informationelle Strukturen“ kartellrechtlich zu überprüfen und zu „zerschlagen“, denn diese Machtzusammenballungen finden in einem Ausmaß statt, wie es sonst nicht geduldet werden würde. „Wo es in anderen Industrien längst zu regulierenden Maßnahmen der Wettbewerbsbehörden käme, bei der digitalen Revolution bleiben sie bislang aus.“101

Es stellt sich damit die Frage, was passieren muss, damit entsprechende Übergriffe der neuen Wirtschaftsgiganten vor allem auch in Europa rasch eingeschränkt, kontrolliert und demokratischer Kontrolle unterstellt werden können. Die Antwort ist unter anderem ein konsequentes EU-Kartellverfahren beispielweise gegen Google, wie dieses 2010 von dem damaligen EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia eröffnet worden war. Zunächst schien es, als wäre es zu einer Einigung gekommen, die allerdings nach deutlichem Widerspruch in der Kommission widerrufen wurde. Der Fall liegt heute bei Almunias Nachfolgerin, der ehemaligen dänischen Wirtschaftsministerin Vesthager, die als harte Verhandlungsführerin gilt.102 Natürlich wäre bereits mit der konsequenten Umsetzung der Europäischen Datenschutzrichtlinie, wie sie das Parlament der Europäischen Union im März 2014 verabschiedete, viel erreicht!103

Allerdings wird weder ein neues Kartellrecht noch eine neue Datenschutzrichtlinie allein ausreichenden Schutz der Menschen und unserer Freiheitsrechte bieten. Hofstetter fordert deshalb internationale Konventionen für Algorithmen sowie auch die Einrichtung einer Treuhandstelle für den Schutz der persönlichen Daten.104 Hierbei geht es um die Wahrung der digitalen Grundrechte, nach denen sich die Würde des Menschen auch auf die persönlichen Daten erstreckt: „Sie dürfen nur erhoben, gespeichert, verarbeitet, veröffentlicht werden, wenn ein Gesetz, richterlicher Beschluss oder Vertrag dazu ermächtigen.“105 Gleiches gilt für ausländische Körperschaften, seien es Unternehmen oder staatliche Institutionen. Hierzu gehören nicht nur die Primärdaten, sondern auch die von passiven Sensoren erfassten Informationen zum Beispiel von Google-Glasses, Heizungssteuerungen etc., ebenso wie Persönlichkeitsprofile und Verhaltensprognosen. Eine von Hofstetter empfohlene Treuhandstelle verfolgt auf Wunsch die Weitergabe persönlicher Daten und aller Rechte, die sich hieraus ergeben.

Diese von kompetenter Seite vorgetragenen Überlegungen zu Entmachtung und gegebenenfalls Zerschlagung der Silicon Valley-Giganten über staatliche Regulierungsmaßnahmen und entsprechende juristische Eingriffe sind berechtigt und in der Sache begründet. Wenn, der Grundüberlegung dieses Essays folgend, antidemokratischen Monopolisierungen und Big-Data-Übergriffen Einhalt geboten werden soll, kann dieses nur durch rechtliche Maßnahmen durch eine den Konzernen vergleichbare Machtkonstellation wie die der Staatsmacht erfolgen. In Anbetracht der bisherigen extrem expansiven Entwicklung der einschlägigen Unternehmen bietet eine andere Vorgehensweise wenig Hoffnung auf Erfolg. Von Google eine einsichtige „Selbstentmachtung“ zu erwarten, scheint utopisch. Unwahrscheinlich ist auch die Annahme, dass die globale Bürgerschaft mit Boykott gegen Google optiert, keine weiteren Suchanfragen bei Google stellt und keine Werbeschaltungen bei Google mehr platziert, kurz die digitale Komfortzone verlässt.

Ebenso wie bei den Big-Data-Übergriffen geht es auch bei den Big-Business-Akkumulationen um eine sehr ernste Gefahr für unsere Grundrechte. Monopolismus und ungezügeltem Profitinteresse sind klare Grenzen zu setzen, die allerdings ohne massive Kraftanstrengungen nicht errichtet werden können. Deshalb geht es um den Aufbau von gewaltigem gesellschaftlichem Druck, der wiederum nur dadurch entsteht, dass sich die Bürgerschaft Europas selbst einschaltet und als Zivilgesellschaft aktiv wird, damit „unsere zukünftige Gesellschaft lebenswert, frei und zukunftsfähig bleibt“.106

Es gilt also jetzt in einen Dialog darüber einzutreten, wie konkret mit der Zukunft umgegangen werden soll. Welche Eckwerte für die ökonomische Verwertung auch der persönlichsten Lebensbereiche gelten sollen und welche gesetzlichen Vereinbarungen hinsichtlich der Verwertung insbesondere auch von persönlichen Daten gelten sollen! Diese Entscheidungsfindung und Einmischung ist überfällig, denn der Umbau unserer Gesellschaften ist in vollem Gange. Durch massive Machtzusammenballungen und daraus abgeleiteten Wirkzusammenhängen werden täglich neue Fakten geschaffen.

Dieser gesamtgesellschaftliche Diskurs ist längst überfällig, weil wir uns alle miteinander fragen müssen, welche Welt wir tatsächlich wollen. Hier werden unterschiedliche Zukunftsbilder gegeneinander anzutreten haben. Auf der einen Seite geht es um den Schutz der Menschenwürde und der allgemeinen Menschenrechte, um Partizipation des einzelnen Bürgers bei wichtigen Zukunftsentscheidungen und um die Durchsetzung sozialer Gerechtigkeit. Auf der anderen Seite steht der rigorose Informationskapitalismus und Monopolismus und damit die bedingungslose Maximierung wirtschaftlicher Profite auf Kosten der Gemeinschaft!

Deshalb gilt es, sich gegen die Provokationen von Big Data ebenso zu engagieren wie gegen den grenzenlosen Informationskapitalismus und neuen Monopolismus und zwar auf allen verfügbaren Kanälen in Form von Nichtregierungsorganisationen, in Politik und Wirtschaft, im Bereich der Kultur und auch am Stammtisch. Dies mit Hofstetter u. U. auch „in ganz neuen Formen gesellschaftlicher Zusammenschlüsse für die Menschenwürde, wie wir sie heute vielleicht noch gar nicht benennen können“.107

Eine solche neue Form des Zusammenschlusses für die Menschenwürde könnte z. B. auch in einer gesamteuropäischen Aktion bestehen, weshalb der Autor für die Begründung einer Europäischen Bürgerinitiative (EBI) zum Thema Big Data, Monopolismus und ungezügelter Libertarismus plädiert, durch welche die Bürger der Europäischen Union bewirken können, dass sich die Europäische Kommission endlich in fundamentaler Weise mit diesen Fragen befasst. Gedacht wird an eine europäische Bürgerinitiative, welche sich als europaweite Aktion gegen die aktuellen turbokapitalistischen Übergriffe zur Wehr setzt und zu einem gesamtgesellschaftlichen Dialog über unsere digitale Zukunft anstiftet.

Mit einer solchen Initiative wäre zu klären, wie und in welcher Form welche regulatorischen Maßnahmen eingeleitet werden sollen. Es wäre zu klären, welche Modelle im Umgang mit Informationskapitalismus, Monopolismus und digitaler Revolution zur Abstimmung gestellt werden sollen und wie sich hierbei nationale und transnationale Gesetzesvorgaben auswirken. Bekanntlich müssen in zwölf Monaten hierfür insgesamt eine Million gültige Unterstützungsbekundungen aus mindestens einem Viertel aller EU-Mitgliedsstaaten gesammelt werden.

 

Michael W. Bader – Unternehmer, Autor, Speaker

Michael W. Bader, geboren 1952 in Göppingen, ist geschäftsführender Gesellschafter der 1979 gegründeten GFE Media GmbH, Göppingen, studierte Germanistik und Politikwissenschaften unter anderem bei Professor Dr. Martin Greifenhagen in Stuttgart. Michael W. Bader ist amtierender Vorstand der Stiftung Media, Stuttgart, sowie Initiator und Kuratoriumsmitglied der rumänischen Stiftung FCE – Foundation for Culture and Ecology mit Sitz in Mediaş, Transsylvanien.

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Literaturempfehlung

  • Eggers, Dave, Der Circle: Roman, 6. Aufl. Köln: Kiepenheuer & Witsch, 2014.
  • Hofstetter, Yvonne, Sie wissen alles: Wie intelligente Maschinen in unser Leben eindringen und warum wir für unsere Freiheit kämpfen müssen. München: C. Bertelsmann, 2014.
  • Keen, Andrew, Das digitale Debakel: Warum das Internet gescheitert ist – und wie wir es retten können. München: Dt. Verl.-Anst., 2015.
  • Schulz, Thomas, „Das Morgen-Land.“ Der Spiegel, Nr. 10 (2015): 20–29.


Anmerkungen

  1. Thomas Schulz, „Das Morgen-Land.“ Der Spiegel, Nr. 10 (2015): 20–29.
  2. Andrew Keen, Das digitale Debakel: Warum das Internet gescheitert ist – und wie wir es retten können (München: Dt. Verl.-Anst, 2015).
  3. Yvonne Hofstetter, Sie wissen alles: Wie intelligente Maschinen in unser Leben eindringen und warum wir für unsere Freiheit kämpfen müssen (München: C. Bertelsmann, 2014).
  4. Ayn Rand (1905 – 1982) war eine russisch-amerikanische Bestseller-Autorin und Vertreterin des Libertarismus und der Auffassung, dass Moralität in rationalem Selbstinteresse gründe sowie einen uneingeschränkten Kapitalismus. Ihre Bücher erreichten eine Gesamtauflage von 25 Millionen Exemplaren. Rand zählt in den Vereinigten Staaten zu den einflussreichsten politischen Autoren des 20. Jahrhunderts. Wikipedia, „Ayn Rand.“. https://de.wikipedia.org/wiki/Ayn_Rand (letzter Zugriff: 29. September 2015).
  5. Friedrich August von Hayek (* 8. Mai 1899 in Wien; † 23. März 1992 in Freiburg im Breisgau) war ein österreichischer Ökonom und Sozialphilosoph. Neben Ludwig von Mises war er einer der bedeutendsten Vertreter der Österreichischen Schule der Nationalökonomie. Hayek zählt zu den wichtigsten Denkern des Liberalismus im 20. Jahrhundert und gilt manchen Interpreten als wichtigster Vertreter des Neoliberalismus. Wikipedia, „Friedrich August von Hayek.“. https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_August_von_Hayek (letzter Zugriff: 29. September 2015).
  6. Der klassische Liberalismus ist derjenige, der ökonomisch durch eine weitgehende Laissez-faire-Haltung und politisch durch eine ausgeprägte Skepsis gegenüber staatlichen Institutionen und Interventionen geprägt ist. Als wichtig ist hierbei neben Thoreau auch die Wirtschaftstheorie der Österreichischen Schule bzw. Wiener Schule anzusehen, vertreten vor allem durch Ludwig von Mises, dessen Schüler Murray Rothbard als einem der wichtigsten Libertären.
  7. Anarchopedia, „Libertarismus.“. http://deu.anarchopedia.org/Libertarismus (letzter Zugriff: 29. September 2015).
  8. Peter Thiel und Blake Masters, Zero to one: Wie Innovation unsere Gesellschaft rettet (Frankfurt am Main u. a.: Campus-Verl, 2014).
  9. Schulz, „Das Morgen-Land“.
  10. Schulz, „Das Morgen-Land“.
  11. Statista, „Ranking der 25 wertvollsten Marken nach ihrem Markenwert im Jahr 2015.“. http://de.statista.com/statistik/daten/studie/6003/umfrage/die-wertvollsten-marken-weltweit/ (letzter Zugriff: 29. September 2015).
  12. Konrad Lischka, „Amazon kontrolliert ein Viertel des deutschen Web-Handels: Umsatz (SPON, 03.02.2014).“. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/amazon-kontrolliert-ein-viertel-des-deutschen-online-handels-a-950821.html (letzter Zugriff: 30. September 2015).
  13. Mathias Brandt, „Amazon dominiert den Onlinebuchhandel.“. http://de.statista.com/infografik/2271/umsatz-des-versandhandels-mit-buechern-in-deutschland/ (letzter Zugriff: 29. September 2015).
  14. Keen, Das digitale Debakel. S. 74.
  15. Keen, Das digitale Debakel. S. 75.
  16. Hofstetter, Sie wissen alles. S. 249.
  17. Caroline Danile und Maija Palmer, „Google’s Goal to Organize your Daily Life”, Financial Times, 23.Mai, 2007; zitiert nach Keen, Das digitale Debakel. S. 296.
  18. Derek Thompson, „Google’s CEO: ›The Laws Are Written by Lobbyists‹: (The Atlantic, 01.10.2010).“. http://www.theatlantic.com/technology/archive/2010/10/googles-ceo-the-laws-are-written-by-lobbyists/63908/ (letzter Zugriff: 29. September 2015).
  19. Mathias Döpfner, „Warum wir Google fürchten: Offener Brief an Eric Schmidt (FAZnet, 16.04.2014).“. http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/mathias-doepfner-warum-wir-google-fuerchten-12897463.html (letzter Zugriff: 29. September 2015).
  20. Mathias Döpfner, Warum wir Google fürchten
  21. Hofstetter, Sie wissen alles. S. 302. – Yvonne Hofstetter, geboren 1966 in Frankfurt am Main, ist nach einem Studium der Rechtswissenschaften seit 1999 international in Softwareunternehmen tätig, u. a. für die Rüstungsindustrie und für den Algorithmischen Börsenhandel. Seit 2009 ist sie Geschäftsführerin der Teramark Technologies GmbH, eines Unternehmens, das auf die intelligente Auswertung großer Datenmengen spezialisiert ist. Yvonne Hofstetter publiziert unter anderem in der FAZ.
  22. Auf freiwilliger Basis bieten Versicherungen schon heute Tarife an, die durch die Sammlung solcher individuellen Daten „optimiert“ sind, damit könnte die Überlassung der Daten auch jederzeit obligatorische Voraussetzung für einen Versicherungsabschluss werden; siehe Herbert Fromme, „Billigere Autoversicherung dank Blackbox: Telematik-Tarife für Kfz-Versicherungen.“. http://www.sueddeutsche.de/auto/telematik-tarife-bei-kfz-versicherungen-viel-ueberwachung-fuer-ein-bisschen-ersparnis-1.2486679 (letzter Zugriff: 30. August 2015).
  23. Hofstetter, Sie wissen alles. S. 263.
  24. Keen, Das digitale Debakel. S. 82.
  25. Kirkpatrick, The Facebook Effect, zitiert nach Keen, Das digitale Debakel. S. 284.
  26. Keen, Das digitale Debakel. S. 85.
  27. Der Informatiker, Erfinder, Komponist, bildende Künstler und Autor Jaron Lanier lehrt an der School of The Arts der Universität von New York sowie an der Columbia University . Lanier hat das an der Harvard- und der Universität von Paris angesiedelte International Institute for Evolution and Brain mitgegründet. Zu seinen Veröffentlichungen gehört das Buch Jaron Lanier, Wem gehört die Zukunft? Du bist nicht der Kunde der Internetkonzerne, du bist ihr Produkt (Frankfurt am Main: Büchergilde Gutenberg, 2014). Hier zitiert nach Jaron Lanier und Mathias Müller von Blumencron, „Warum wollt ihr unseren Quatsch? Jaron Lanier im Gespräch.“. http://www.faz.net/-gsf-8579j (letzter Zugriff: 3. September 2015).
  28. Jaron Lanier und Mathias Müller von Blumencron, „Warum wollt ihr unseren Quatsch? Jaron Lanier im Gespräch.“.
  29. Jaron Lanier und Mathias Müller von Blumencron, „Warum wollt ihr unseren Quatsch? Jaron Lanier im Gespräch.“.
  30. Adrian Lobe, „Im Netz der Wahlkampfhelfer: Entscheidet Facebook Wahlen?“. http://www.faz.net/-gsf-86elr (letzter Zugriff: 3. September 2015).
  31. Adrian Lobe, Im Netz der Wahlkampfhelfer: Entscheidet Facebook Wahlen?.
  32. “Microsoft has agreed to invest a substantial sum of money in Uber, according to sources speaking to the New York Times and the Wall Street Journal. The investment is part of a larger round of funding that values Uber at $51 billion. Not surprisingly, speculation is rampant about the reasons behind Microsoft’s investment—which is said to total about $1 billion if the deal is finalized.” http://www.forbes.com/sites/erikamorphy/2015/07/31/microsofts-investment-in-uber-is-a-head-scratcher/?utm_campaign=yahootix&partner=yahootix
  33. Jean Pisani-Ferry in einem Gastkommentar im Handelsblatt Nr. 134, vom 16.07.2015. Siehe auch hier: Jean Pisani-Ferry, „Das Ende der Arbeit, wie wir sie kennen: (Project Syndicate, 01.07.2015).“. http://www.project-syndicate.org/commentary/uber-automation-labor-markets-by-jean-pisani-ferry-2015-07/german (letzter Zugriff: 29. September 2015).
  34. Guenther Hack, „So attraktiv wie Fracking und Atomkraft: Mitfahrdienst Uber (Süddeutsche, 29.11.2014).“. http://www.sueddeutsche.de/digital/mitfahrdienst-uber-so-attraktiv-wie-fracking-und-atomkraft-1.2243501 (letzter Zugriff: 29. September 2015).
  35. Erika Morphy, „Microsoft’s Investment In Uber Is A Head Scratcher“.
  36. Schulz, „Das Morgen-Land“.
  37. Schulz, „Das Morgen-Land“.
  38. Keen, Das digitale Debakel. S. 89.
  39. John Naughton ist Professor of the Public Understanding of Technology an der Open University; siehe auch John Naughton, From Gutenberg to Zuckerberg: What you really need to know about the Internet (London: Quercus, 2012).
  40. John Naughton zitiert nach Keen, Das digitale Debakel. S. 260.
  41. Schulz, „Das Morgen-Land“.
  42. Götz Hamann, Khuê Pham und Heinrich Wefing, „Die Vereinigten Staaten von Google (Zeit Online, 21.08.2014).“. http://www.zeit.de/2014/33/suchmaschine-google-zukunft/komplettansicht (letzter Zugriff: 29. September 2015).
  43. Eric Schmidt und Jared Cohen, Die Vernetzung der Welt: Ein Blick in unsere Zukunft (Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2013).
  44. Götz Hamann, Khuê Pham und Heinrich Wefing, „Die Vereinigten Staaten von Google (Zeit Online, 21.08.2014)“.
  45. Vgl. Handelsblatt vom 28.05.2015
  46. Christian Rickens, „Ökonomen-Konferenz in Hongkong: ›Ich glaube nicht, dass Demokratie der beste Weg ist‹ (Spiegel online, 08.04.2013).“. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/oekonomen-und-sozialwissenschaftler-zweifeln-an-der-demokratie-a-892991.html (letzter Zugriff: 29. September 2015).
  47. „Das wichtigste Geschäftsmodell des Internet basiert auf der Massenüberwachung“ schreibt Bruce Schneider, einer der führenden Experten auf dem Gebiet der Computersicherheit. „Und die staatlichen Spionageagenturen sind süchtig nach diesen Daten.“ Keen, Das digitale Debakel. S. 218.
  48. Technologieautorin Sue Halpern; zitiert nach Keen, Das digitale Debakel. S. 217
  49. Keen, Das digitale Debakel. S. 217
  50. Schily: „Diese Entwicklung muss sehr genau beobachtet werden. Für mich ist der höchste Wert die Autonomie des Einzelnen. Man muss sehr aufpassen, dass wir nicht über das Internet zum Gefangenen anonymer Mächte werden.“ Otto Schily, „Ich bin nichts ganz. Ich bin ein ewiger Skeptiker: Gespräch/Interview.“ ZEITmagazin 10.04.2015, Nr. 13 (2015). http://www.zeit.de/zeit-magazin/2015/13/otto-schily-rechtsanwalt-minister-spd-bilanz.
  51. Christian Nürnberger und Reinhard Jellen, „An einer demokratiefreien Zone wird bereits gearbeitet: Interview (Telepolis, 09.05.2015).“. http://www.heise.de/tp/artikel/44/44622/1.html (letzter Zugriff: 29. September 2015).
  52. Mathias Döpfner, „Warum wir Google fürchten“.
  53. Schulz, „Das Morgen-Land“.
  54. Götz Hamann, Khuê Pham und Heinrich Wefing, „Die Vereinigten Staaten von Google (Zeit Online, 21.08.2014)“.
  55. Thomas Kemp, „Der Traum von der Gesetzlosigkeit: Co-Working in internationalen Gewässern (t3n, 28.04.2014).“. http://t3n.de/news/kolonie-klugen-koepfe-542015/ (letzter Zugriff: 6. Mai 2014).
  56. Thomas Kemp, „Der Traum von der Gesetzlosigkeit: Co-Working in internationalen Gewässern“.
  57. Thomas Kemp, „Der Traum von der Gesetzlosigkeit: Co-Working in internationalen Gewässern“.
  58. Thomas Kemp, „Der Traum von der Gesetzlosigkeit: Co-Working in internationalen Gewässern“.
  59. Thomas Kemp, „Der Traum von der Gesetzlosigkeit: Co-Working in internationalen Gewässern“.
  60. Thomas Kemp, „Der Traum von der Gesetzlosigkeit: Co-Working in internationalen Gewässern“.
  61. Götz Hamann, Khuê Pham und Heinrich Wefing, „Die Vereinigten Staaten von Google“.
  62. Mathias Döpfner, „Warum wir Google fürchten“.
  63. Christoph Seidler, „Gigantische Marskolonie: Ein Milliardär hebt ab (SPON, 24.11.2012).“. http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/elon-musk-traeumt-von-mars-kolonie-fuer-80-000-menschen-a-869116.html (letzter Zugriff: 29.09.15).
  64. Keen, Das digitale Debakel. S. 244.
  65. Thorsten Schröder, „Willkommen im US-Bundesstaat Silicon Valley!: (Zeit online, 05.03.2014).“. http://www.zeit.de/wirtschaft/2014-03/kalifornien-aufspaltung-draper/komplettansicht (letzter Zugriff: 29. September 2015).
  66. Selbstdarstellung auf http://www.draperuniversity.com/ (letzter Zugriff: 29.09.2015)
  67. Keen, Das digitale Debakel. S. 244.
  68. Thomas Kemp, „Der Traum von der Gesetzlosigkeit“.
  69. Thomas Kemp, „Der Traum von der Gesetzlosigkeit“.
  70. Thomas Kemp, „Der Traum von der Gesetzlosigkeit“.
  71. Schulz, „Das Morgen-Land“.
  72. Ray Kurzweil nennt unzählige Entwicklungen und Patente sein Eigen und erfand in den 1960/70-er Jahren den ersten Synthesizer, dessen Klang nach dem Urteil von Fachleuten von natürlichem Klang nicht zu unterscheiden war. Er hat auch die berühmte Kurzweil-(Blinden-)Lesemaschine KRM entwickelt, die blinden Menschen Bücher in beliebigen typographischen Schriftarten erstmals vorlesen konnte. Einer der ersten Anwender beider Geräte war Stevie Wonder. Aus der Blindenmaschine hat sich kommerzielle Texterkennungssoftware (OCR) entwickelt. Kurzweil arbeitet heute mit 67 Jahren als hochdotierter Entwicklungschef von Google.
  73. Karin Finkenzeller, „Wer ist hier der Klügere? Zukunftsforschung (Zeit online, 27.08.2015).“. http://www.zeit.de/2015/33/digitalisierung-neue-technologien-roboter-forscher-singularity-university/komplettansicht (letzter Zugriff: 29. September 2015).
  74. Ray Kurzweil, Menschheit 2.0: Die Singularität naht, 2., durchgesehene Aufl. (Berlin: Lola Books, 2014).
  75. Schulz, „Das Morgen-Land“.
  76. Schulz, „Das Morgen-Land“.
  77. Hofstetter, Sie wissen alles. S. 302.
  78. Hofstetter, Sie wissen alles. S. 249.
  79. Schulz, „Das Morgen-Land“.
  80. Keen, Das digitale Debakel. S. 86.
  81. Keen, Das digitale Debakel. S. 86.
  82. Mathias Döpfner, „Warum wir Google fürchten“.
  83. Mathias Döpfner, „Warum wir Google fürchten“.
  84. Dave Eggers, Der Circle: Roman, 6. Aufl. (Köln: Kiepenheuer & Witsch, 2014).
  85. Carsharing Stuttgart: „Stadtmobil-Unternehmensverbund, in dem sieben regional tätige, eigenständige Carsharing-Firmen zusammen geschlossen sind. Deutschlandweit bieten wir Ihnen im stadtmobil-Verbund rund 4.000 Fahrzeuge an ca. 1.600 Stationen in 180 Städten.“; siehe http://stuttgart.stadtmobil.de/ (letzter Zugriff: 29.09.2015)
  86. Prinzessinnen-Gärten Berlin – http://prinzessinnengarten.net/; Tempelhof Gardening; Gartendeck Hamburg – http://www.gartendeck.de/; (letzter Zugriff: 29.09.2015)
  87. Thomas Huber et al., Die Zukunft des Konsums: Wie Meta-Services die Wirtschaftsumkrempeln (Trendstudie) (Zukunftsinstitut / Matthias Horx, 2013).
  88. Tobias Haberl, „Teile und herrsche: (SZ.de Magazin, 27/2015.“. http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/43284/1/1 (letzter Zugriff: 30. September 2015). S. 2.
  89. Tobias Haberl, „Teile und herrsche“.
  90. George Packer, Change the World; zitiert nach Keen, Das digitale Debakel. S. 311.
  91. Stephanie Gleason und Rachel Feintzeig, „Startups Are Quick to Fire: New Hires Who Don’t Measure Up Can Be Gone in Days or Weeks (Wall Street Journal, 12.12.2013).“. http://www.wsj.com/articles/SB10001424052702304202204579254540454121188 (letzter Zugriff: 28. September 2015).
  92. Jan Guldner, „Keine Pausen, kein Urlaub, kein Essen – nur Arbeit: Tesla-Gründer Elon Musk (Zeit Online, 20.05.2015).“. http://www.zeit.de/wirtschaft/2015-05/tesla-elon-musk-spacex/komplettansicht (letzter Zugriff: 29. September 2015).
  93. Keen, Das digitale Debakel. S. 235.
  94. Keen, Das digitale Debakel. S. 235.
  95. Keen, Das digitale Debakel. S. 108.
  96. Keen, Das digitale Debakel. S. 241.
  97. „Die gewaltige Ausweitung des Internets wird zum Motor einer der aufregendsten gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Revolutionen der Geschichte, und anders als in früheren Epochen wirken die Veränderungen diesmal weltweit. Nie zuvor in der Geschichte der Menschheit hatten so viele Menschen an so vielen Orten so viele Möglichkeiten. Dies ist bei weitem nicht die erste technologische Revolution der Geschichte, doch es ist die erste, die allen Menschen direkten Zugang zu Informationen eröffnet und ihnen Möglichkeiten an die Hand gibt, diese selbst zu erschaffen und sie in Echtzeit zu verbreiten. Diese Revolution hat gerade erst begonnen.“ Schmidt und Cohen, Die Vernetzung der Welt. S. 14.
  98. Wikipedia, „Libertarismus.“. https://de.wikipedia.org/wiki/Libertarismus (letzter Zugriff: 8. September 2015).
  99. Keen, Das digitale Debakel. S. 260.
  100. Richard Sennett, „Real Progressives Believe in Breaking Up Google.“ Financial Times (28.06.2013).
  101. Hofstetter, Sie wissen alles. S. 299.
  102. Chee, Foo Yun [Reuters], „Wettbewerb in der EU: Google-Gegner hoffen auf eine Dänin (Format, 11.04.2015).“. http://www.format.at/politik/international/wettbewerb-eu-google-gegner-daenin-5594609 (letzter Zugriff: 30. September 2015).
  103. Hofstetter, Sie wissen alles. S. 291.
  104. Hofstetter, Sie wissen alles. S. 300.
  105. Hofstetter, Sie wissen alles. S. 292.
  106. Hofstetter, Sie wissen alles. S. 290.
  107. Hofstetter, Sie wissen alles. S. 290.

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